Dr. med. Ulrike Knödler

Fachärztin für
Allgemeinmedizin,
Hausärztliche Versorgung,
Fachkunde Reisemedizin,
Notfallmedizin
Staatlich zugelassene
Gelbfieberimpfstelle

Akademische Lehrpraxis
der Universität Heidelberg

Oberer Graben 62
97980 Bad Mergentheim
Tel. 07931/949123
Fax 07931/949124
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Borreliose - der große Angstmacher


Achtung, Zecke: Wer sich in Risikogebieten aufhält, sollte sich gegen FSME impfen lassen.

Die deutschen Zecke bzw. ihre Jugendform, die Nymphen, sitzt auf Grashalmen oder Pflanzen und wird im Vorbeigehen abgestreift. Sie krabbelt auf oder unter den Hosenbeinen entlang und sucht sich ein warmes Plätzchen. Mit ihren Kieferklauen ritzt sie die Haut an und verankert ihren mit Widerhaken besetzten Stechrüssel in der Wunde.

Zecken können vielerlei Krankheiten übertragen.

Besonders ruchvoll ist die Borreliose, weil die Krankheit schleichend und in ihren möglichen Ausprägungen wie ein Chamäleon daherkommt.

Borrelien sind aktiv bewegliche, schraubenförmig gewundene Bakterien der Gattung Spirochäten. Der Akt des Blutsaugens der Zecke führt zur aktiven Wanderung der Borrelien aus dem Zeckendarm in deren Speicheldrüsen, die nach frühestens 10-12 Stunden erreicht sind. Erst dann können sie in die menschliche Wunde übertragen werden. Wird die Zecke gequetscht, erbricht sie unter Umständen den Darminhalt und damit die Erreger in die Wunde.

Im ersten Stadium können grippale Symptome und eine sich zunächst flächenhaft, später ringförmig ausbreitende rötliche Hautveränderung mit zentraler Abblassung auftreten ("Erythema migrans" = Wanderröte). Oft heilt dieses Stadium auch ohne Therapie folgenlos ab.

Es kann aber auch in das 2. Stadium übergehen, welches durch Nervenentzündungen mit brennenden Schmerzen oder Sensiblitätsstörungen und/oder flüchtig wandernde Gelenkschmerzen gekennzeichnet ist. Kinder erkranken vorwiegend an einer Hirnhautentzündung, die bei Erwachsenen in Europa seltener auftritt. Teilweise kommt es zu Entzündungen der Herzinnenwand und Herzmuskulatur mit Herzrhythmusstörungen sowie zu rötlichen Knötchen auf der Haut, dem Borrelien-Lymphozytom, bevorzugt am Ohrläppchen (bei Kindern), an Brustwarzen, Schamlippen, Hodensack, Gelenkbeugen.

Im 3. Stadium können Monate bis Jahre nach der Infektion schubweise oder chronisch verlaufende Gelenkentzündungen folgen. Es sind wenige Gelenke befallen, diese Gelenke sind dann schmerzhaft verdickt. Auch eine initial teigige Schwellung, später dann bläuliche Pergamenthaut (sog. Acrodermatitis chronica atrophicans) über Knien, Fußrücken, Ellenbogen und Handrücken, ggf. mit Lymphknotenschwellungen als Ausdruck der Allgemeininfektion, sowie fortschreitende Veränderungen des Zentralnervensystems (Neuroborreliose) mit chronischer Abgeschlagenheit, Gedächtnisstörungen, Koordinationsstörungen und Wesensveränderung können Zeichen dieses Stadiums sein.

Wenn die Zecke zugestochen hat, besteht die Primärprävention darin, die Zecke frühestmöglich zu entfernen. Verwenden Sie hierzu eine spezielle Zeckenzange oder Zeckenkarte oder suchen Sie ihren Hausarzt auf. Mit der Zeckenzange geruhsam drehende Bewegungen ausführen! Wenn Sie an der Zecke "zerren", kann der Mundapparat (im Volksmund "Kopf") wegen seiner Widerhaken im Gewebe steckenbleiben. Das ist nicht weiter gefährlich!

Nach Entfernen der Zecke ist die Stichstelle meist etwas gerötet und entspricht einer regelrechten Lokalreaktion. Eine Borrelieninfektion tritt entsprechend ihrer Inkubationszeit erst nach frühestens 7 Tagen auf! Die Stichstelle sollte 4-6 Wochen lang auf die Wanderröte hin beobachtet werden.

 

Die Blutuntersuchung auf eine Borrelieninfektion macht frühestens nach 6 Wochen Sinn, da erst dann Borreliose-spezifische Antikörper nachweisbar sind. Sowohl die Akut-, als auch die Spät-Antikörper können auch nach erfolgreicher Behandlung noch über Jahre persistieren, so dass Verlaufskontrollen nicht empfohlen werden. Die Neuroborreliose lässt sich durch eine Untersuchung der Rückenmarksflüssigkeit nachweisen.

Die Therapie umfasst je nach klinischem Verlauf eine 2-4wöchige leitliniengerechte antibiotische Monotherapie. Borreliose ist heilbar!

Selbsternannten ärztlichen Borreliosepäpsten, die ihre Patienten mit monate- bis jahrelangen Antibiotikakombinationen, die nicht durch Studien belegt sind, drangsalieren, sollten Sie mit der gebotenen Zurückhaltung begegnen.

Über App Store kann die Zeckenwetter App der Firma Baxter heruntergeladen werden. Für Kinder gibt es die interaktive Zeckenschule auf www.zecke.de 

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