Dr. med. Ulrike Knödler

Fachärztin für
Allgemeinmedizin,
Hausärztliche Versorgung,
Fachkunde Reisemedizin,
Notfallmedizin
Staatlich zugelassene
Gelbfieberimpfstelle

Akademische Lehrpraxis
der Universität Heidelberg

Oberer Graben 62
97980 Bad Mergentheim
Tel. 07931/949123
Fax 07931/949124
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Eine Invasion der etwas anderen Art

Stechmücken breiten sich im Zuge des internationalen Warenaustauschs weltweit aus. Bevorzugtes Transportmittel sind gebrauchte Autoreifen und Pflanzenkübel. Mückenfallen an deutschen Autobahnraststätten liefern den Nachweis solcher blinder Passagiere (1). In Europa finden sie mittlerweile die passenden klimatischen Bedingungen, um heimisch zu werden. Die asiatische Tigermücke Aedes albopictus ist so ein Einwanderer. Sie ist potentieller Überträger des Dengue-Fieber und Chikungunya und ein Kandidat für das Zika-Virus.

Die Tigermücke, Aedes albopictusAedes albopictus; BNITM
 
Mücken allein machen noch keine Epidemie. Erst wenn ein infizierter Mensch (Indexfall) von der Mücke gestochen wird, kann diese die Viren inokulieren und weitere Menschen infizieren (1). So geschehen 2007 in Ravenna (Chikungunya), 2010 in Kroatien (Dengue), 2010 sowie 2013-15 Südfrankreich (Dengue), 2012/13 in Madeira (Dengue). Zeitzonenflüge und Migration begünstigen den Import von Krankheiten.

1 Chikungunya-Indexfall vermag 3-4 weitere Personen anzustecken. Im Vergleich dazu infiziert 1 Ebolakranker 1,3-1,6 weitere Menschen, 1 Masernkranker gar 16-18 weitere Menschen.

 

Die gemeine Stechmücke, Culex spp., ist in Süddeutschland die häufigste Mückenart (1). Dieser Plagegeist kann das West-Nil-Virus zu übertragen - wie Dengue- und Gelbfiebervirus den Flaviviren zugehörig. Das West-Nil-Virus hat von Afrika aus mit den Zugvögeln in Westasien, im Vorderen Orient und in Südosteuropa (Ungarn, Bulgarien, Rumänien, Griechenland, 2012 Österreich) Einzug gehalten. 1999 hat es seinen Siegeszug durch die USA angetreten und sich bis 2004 von Ost nach West flächendeckend ausgebreitet (4). Es kann insbesondere beim älteren Menschen gefährliche Hirnhautentzündungen hervorrufen. Bisher ist es in Deutschland nicht nachgewiesen worden.
 
 

Durch den Klimawandel erschließen sich auch die Malaria übertragenden Anopheles-Mücken neue Lebensräume (2). Wo sie bisher auf saubere Süßwasserreservoire angewiesen waren, nehmen sie nun auch mit Slums und Höhenlagen bis 2000m vorlieb. Noch fehlt hierzulande das menschliche Erregerreservoir und die erforderliche Dichte an Anophelesmücken, um die Malaria zu etablieren. Übrigens gab es noch im letzten Jahrhundert in Deutschland Malaria-Endemieherde im Schwemmland und in Moorgebieten (3). Es handelte sich dabei überwiegend um die Malaria tertiana, bekannt unter den Namen Sumpffieber, Marschenfieber oder Wechselfieber. Ein letztes Aufflammen mit einigen Hundert Erkrankten ereignete sich nach Ende des Zweiten Weltkriegs.

 

Literatur:

(1) Bernhard-Nocht-Institut: https://www.bnitm.de/forschung/importierte-epidemien/

(2) Ärztezeitung Nr.34-60D

(3) Marschenfieber - Wikipedia

(4) CRM, aktuelle Weltseuchenlage, Nov. 2015

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