Dr. med. Ulrike Knödler

Fachärztin für
Allgemeinmedizin,
Hausärztliche Versorgung,
Fachkunde Reisemedizin,
Notfallmedizin
Staatlich zugelassene
Gelbfieberimpfstelle

Akademische Lehrpraxis
der Universität Heidelberg

Oberer Graben 62
97980 Bad Mergentheim
Tel. 07931/949123
Fax 07931/949124
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Reisen mit Kindern

 

Wie alt sollte ein Kind für die Reise sein?

Sicherlich gibt es da keine eiserne Regel. Bedenkt man, dass Kinder in den Tropen einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt sind, so sollten Kleinkinder eher in Europa verreisen. Kinder sind aber generell tropentauglich.

Schulkinder werden schon eher die Vielfalt der tropischen Flora und Fauna erleben und erforschen wollen. Hier sollten die Eltern bereits vor Reisebeginn anhand von kindgerechten Bilderbüchern bzw. Fotoreportagen auf die Schönheit, aber auch Risiken der neuen Umgebung hinweisen.

Tipps vor Abreise

Wählen Sie ein Reiseziel, das auch den Kindern gefällt, planen Sie gemeinsam!

Last-Minute-Reisen sind Stress für alle Familienmitglieder.

Überprüfen Sie Ihren Impfstatus und den Ihrer Kinder.

Den Impfplan für Kinder und Jugendliche entsprechend den Empfehlungen der Ständigen Impf-kommission (STIKO) können Sie als Poster unter folgendem Link abrufen http://www.rki.de/DE/Content/Kommissionen/STIKO/Empfehlungen/Aktuelles/Impfkalender_Poster_dt.pdf?__blob=publicationFile

Er ist dort auch in 16 weiteren Sprachen verfügbar.

Sollte eine der Impfungen fehlen, so kann jederzeit - auch bei größerem Zeitabstand – eine Auffrischimpfung oder auch noch eine  Grundimmunisierung erfolgen. Dies gilt insbesondere für die Masern-Mumps-Röteln- und die Hepatitis-B-Impfung.

Ab 2 Jahren können Reiseimpfungen problemlos verabreicht werden, manche sind schon ab dem 6. Lebensmonat zugelassen. Die Allgemeinreaktionen können stärker ausgeprägt sein.

Fragen Sie Ihre Reisemedizinerin, ob für Ihr Reiseland besondere Vorsichtsregeln und Impfungen empfohlen werden. In der Regel wird zur Impfung gegen Hepatitis A geraten, je nach Destination, Einreisebestimmungen und Reiseart kann auch die Impfung gegen Typhus, Gelbfieber,  Meningokokken, Tollwut, Cholera, FSME, japanische Enzephalitis, Pneumokokken oder Grippe sinnvoll sein.

Bereiten Sie Spiele zur Überbrückung von Wartezeiten oder langen Reisezeiten vor. Je nach Alter können das utensilienfreie Ratespiele (Tiere-Raten mit Reisezielbezug etc.) aber auch Malstifte/Papier, illustrierte Bücher, Audio-Hörbücher etc. sein.

Tipps zur Reise

Machen Sie auf Autoreisen immer wieder kurze Verschnaufpausen, vertreten Sie sich die Beine, lassen Sie die Kinder herumtoben.

Gegen die Reisekrankheit (Kopfschmerzen, Übelkeit) kann Ablenkung, aus dem Fenster schauen, das Fahren in der Nacht oder auch die Einnahme von Ingwertabletten helfen.

Bei Flugreisen:

Nutzen Sie 10 Min. vor Start und Landung das kindliche Nasenspray und lassen Sie Ihr Kind in aufrechter Position trinken, auch der Schnuller kann nützlich sein, ältere Kinder lutschen Bonbons, so vermeiden Sie Ohrenschmerzen aufgrund von Luftdruckunterschieden in der Kabine, Ohrentropfen sind hier nicht sinnvoll.

Kinder sollten während des Fluges aufgrund der niedrigen Luftfeuchtigkeit im Flugzeug viel trinken, so beugen sie Halsschmerzen und trockenem Reizhusten vor.

Kinder wollen spielen!

In warmem Wasser und bei sonnigem Wetter am Strand fühlen sich nicht nur Kinder am wohlsten. Natürlich benötigen Kinder unter starker Sonneneinstrahlung einen Hut, ein T-Shirt, Badeschuhe und einen möglichst wasserfesten Sonnenschutz mit hohem Lichtschutzfaktor, der mindestens 20 Minuten vor der Exposition aufgetragen werden sollte. Welches Produkt hier besonders geeignet ist, hängt vom Hauttyp ab.

Gut zu wissen:

Die UV-Strahlung nimmt pro 1000 Höhenmeter um 15% zu. 90% des UV-Lichts durchdringen Wolken. 60% der UV-Strahlung sind noch 0,5 Meter unter Wasser wirksam. Die Kinderhaut hat nur ein Fünftel der Dicke der Erwachsenenhaut und ist deshalb wesentlich empfindlicher, auch sind die Reparaturmechanismen der Kinderhaut noch unvollständig. So fehlt beispielsweise noch die Lichtschwiele. Die Lippen sind besonders gefährdet.

Insektenstiche sind sehr lästig

Insektenstiche bei Kindern können sehr hartnäckig sein, sich sekundär bakteriell entzünden und im Reiseland Krankheiten (Denguefieber uvm.) übertragen. Daher ist ein konsequenter Mückenschutz unerlässlich.

  • Helle, nicht leuchtende Kleidung!, grelle und vielfarbige Hemden locken Insekten an.
  • Wind vertreibt Insekten, also luftige Stellen auf der Terrasse, am Strand oder Spielplatz suchen.
  • Insektenschutzspray! Anwendung ggf. alle 4-6 Stunden wiederholen; falls Sonnenschutz- creme aufgetragen wird, diese einziehen lassen, danach das Mückenspray anwenden.
  • Abends/nachts großräumige Moskitonetze verwenden, falls keine funktionstüchtige Klimaanlage vorhanden ist.
  • Räucherspiralen (sog. Moskito-Coils) können Atemwegsreizungen verursachen und stellen keinen sicheren Mückenschutz dar.
  • Insektenköder/-strips sowie elektische Verdampfer sind schon allein wegen der möglichen Verwechslung mit Spielzeug ungeeignet. 

Tierische Gefahren

Quallen, Skorpione und Schlangen stellen ein vernachlässigbares Reiserisiko dar. Streunende Hunde werden aufgrund der geringen Körpergröße des Kindes und dessen sorglosen, kontaktfreudigen Verhaltens jedoch zu einer unberechenbaren Gefahr (Bisswunden, Wundinfektionen, Tollwut).

Durchfall – gar nicht selten

Foto: Prof.T.Jelinek, CRM

Ursachen gibt es viele. Bei Fieber, Bauchkrämpfen, massivem Flüssigkeitsverlust, zusätzlichem Erbrechen oder Dauer über 3 Tage muss ein Arzt aufgesucht werden.

Bedenken Sie, daß fieberhafter Durchfall bei Kindern das einzige Malaria-Symptom sein kann.

Fehlen o.g. Symptome, so ist häufig ein Flüssigkeitsersatz mit der von der WHO empfohlenen ORS-Lösung ausreichend. 

Informieren Sie nach Reiserückkehr Ihren Hausarzt.

Malaria

Ist die Reise mit Kindern in ein Malariaendemiegebiet nicht zu vermeiden, so sind einige Regeln dringend zu befolgen:

  • Schlafen unter imprägnierten Moskitonetzen
  • Insektenschutz mittels DEET 50% (z.B. in NoBite®), formal zugelassen ab 6 Jahren, es gibt jedoch keine Hinweise auf ein erhöhtes Risiko bei Anwendung an Kleinkindern.
  • Ab der Dämmerung nicht mehr im Freien spielen, Türen und Fenster schließen.
  • Lariam® und Eurartesim® sind zur notfallmäßigen Selbstbehandlung dosisreduziert bereits ab einem Körpergewicht von 5 kg einsetzbar. Zur Malariaprophylaxe eignen sich Lariam (ab 5kg KG), Malarone (ab 10kg KG) und Doxycyclin (erst ab 8 Jahren). Informieren Sie sich bei Ihrer Reisemedizinerin. Chloroquin und Malarone® sind in kindgerechten Zubereitungen erhältlich. Die Tabletten müssen also ggf. gemörsert und mit Essen oder Flüssigkeit vermengt gegeben werden.

 

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