Dr. med. Ulrike Knödler

Fachärztin für
Allgemeinmedizin,
Hausärztliche Versorgung,
Fachkunde Reisemedizin,
Notfallmedizin
Staatlich zugelassene
Gelbfieberimpfstelle

Akademische Lehrpraxis
der Universität Heidelberg

Oberer Graben 62
97980 Bad Mergentheim
Tel. 07931/949123
Fax 07931/949124
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Langzeitaufenthalte

Wer sind die Langzeitreisenden? 

Rucksackreisende, Trekkingreisende, Expeditionsteams, im Sozial- oder Gesundheitsdienst Tätige wie Entwicklungshelfer und Weltwärtsfreiwillige,  betrieblich tätige sogenannte Expatriates, Geschäftsreisende und die VFR (visiting friends and relatives). Letztere machen fast die Hälfte aller Auslandsreisenden aus.     

Es reisen Kinder, Kleinkinder, Säuglinge, Schwangere, stillende Mütter, chronisch Kranke, Menschen mit Handicap.

Auf welche Krankheiten muss man sich gefasst machen?

Quelle: Chen et al. Emerg Infect Dis 2009 Nov;15(11):1773-82.

Untersuchungen an Mitarbeitern bei humanitären Einsätzen haben folgende Gesundheitsprobleme (in absteigender Häufigkeit) ermittelt:

Durchfallerkrankungen, Hautprobleme, Zahnprobleme, Erlebnisse von Aggression und/oder Gewalt, Unfälle, Malaria, ungeschützter Geschlechtverkehr.

 

Was draußen erforderlich ist, ist völlige Gesundheit: (...) Freisein von Herzfehlern,   Lungenkatarrh, Nierenentzündungen und Geschlechtskrankheiten, von Anlage zur Nervosität und Alkoholismus. Schon ein geringer Grad an Morphinismus ferner schließt nach unserer Überzeugung die Tropendienstfähigkeit im Interesse des Kandidaten selbst und seiner zukünftigen Umgebung aus. Ein heiteres, gleichmäßiges Temperament ist eine unschätzbare Gabe draußen. (...) Wer zu Jähzorn, Melancholie oder Nervosität neigt, sollte in seinem und seiner Umgebung Interesse den Tropen fernbleiben".
Auszug aus: F. Plehn. Tropenhygiene. Verlag G. Fischer, Jena, 1906; S 183f.

 

Die  Zahl der jungen Schulabsolventen, die sich zu einem freiwilligen sozialen Auslandsjahr melden oder als Weltenbummler unterwegs sein wollen, nimmt zu.

Laut Weltwärts-Statistiken 2014 haben in den vorausgehenden 12 Monaten 7% ihren Auslandsaufenthalt abgebrochen, davon 3,8% aus gesundheitlichen, hauptsächlichen psychischen Gründen, weitere 3,2% aus sozialen oder familiären Gründen, aufgrund eines Ausbildungsangebots oder einer Hochschulzulassung oder aufgrund neu aufgetretener kritischer Sicherheitslage im Gastland.

Die jungen Leute sind reiselustig, suchen das Abenteuer, besitzen aber in der Regel wenig Reiseerfahrung und wenig Kenntnis über die erforderliche strenge Nahrungsmittel- und Trinkwasserhygiene, über dort vorkommende Krankheiten, kulturelle Gepflogenheiten, Gewalt und Kriminalität.

Das Andersartige ist äußerst attraktiv. Es geht um Sexualität und Liebe – oder um Sextourismus. HIV und sexuell übertragbare Krankheiten sowie Vorbeugemaßnahmen bis hin zur Mitnahme einer medikamentösen HIV- Postexpositionsprophylaxe sind die wesentlichen Beratungsinhalte einer guten Reiseberatung.

Menschen mit Migrationshintergrund, sog. VFR (siehe oben), machen fast die Hälfte aller Auslandsreisenden aus. Sie lassen sich selten reisemedizinisch beraten, da sie ja ins Mutterland reisen. Sie benutzen häufiger unsichere Wasserquellen, essen in heimischen Lokalitäten, führen seltener eine Malariaprophylaxe durch.

Langzeitreisende benötigen einen umfassenden Impfschutz, der je nach Destination über die Regelimpfungen hinausgeht. Beispielhaft seien die Gelbfieberimpfung bei Afrika- und Südamerika-Reisen, die Impfung gegen die japanische Encephalitis sowie gegen Meningokokken B bei Reisen im südostasiatischen Raum, die Meningokokken ACW135Y-Impfung vor geplantem Schüleraustauschjahr oder Studienjahr in USA, Kanada, Großbritannien, Australien oder Neuseeland, sowie die Schluckimpfung gegen ETEC/Cholera bei unter Termindruck stehenden Geschäftsreisenden genannt.

 

Malaria

Bei Langzeitaufenthalten dominiert bei vielen die Sorge vor Langzeit-Nebenwirkungen der Malariamedikamente, auch ist die wöchentliche bzw. tägliche Einnahme ziemlich lästig. Manche glauben fälschlicherweise, mit der Dauer des Aufenthaltes eine Immunität gegen die Malaria zu entwickeln. Oft fehlt einfach das nötige Risikobewusstsein oder nimmt mit der Zeit ab. Andererseits steigt das individuelle Malariarisiko mit der Expositionsdauer.

Es empfiehlt sich deshalb folgendes Vorgehen:

In der Phase des Einlebens wird die Chemoprophylaxe durchgeführt. In dieser Zeit wird die häusliche Umgebung moskitosicher gestaltet: Fliegengitter an die Fenster und Türen, eventuell vorhandene Klimaanlage nützen, unmittelbar an die Unterkunft angrenzende stehende Gewässer - die Mückenbrutpläte - trockenlegen, Betten mit Moskitonetzen ausstatten, die Kleidung mit Permethrin imprägnieren. Ab der Ab der Abenddämmerung nur noch indoor activities.

Dann Wechsel auf die Notfalltherapie mit Eurartesim® unter fortgesetzter konsequenter Expositionsprophylaxe. Während bis nach der Regenzeit ggf. erneut auf eine Chemoprophylaxe wechseln.

In Studien zur Langzeit-Chemoprophylaxe zeigt sich für Lariam® ein problemloser Einsatz für einen Zeitraum von länger als 2 Jahren. Mehr als 90% aller Nebenwirkungen treten während der ersten 2 Wochen auf. Mit Doxycyclin® bestehen Erfahrungen über einen 5-jährigen Einnahmezeitraum, es ist gut verträglich, hat aber neben der Lichttoxizität den Nachteil der Einnahmenotwendigkeit noch 4 Wochen über das Ende der Malariaexposition hinaus. Malarone® ist in Deutschland seit Herbst 2012 zur unbefristeten Einnahme zugelassen, muss aber täglich eingenommen werden.

Schnelltests sind eine enorme Bereicherung der Malariadiagnostik, sie sind sehr zuverlässig, sofern die Handhabung trainiert ist. Allerdings sind sie recht teuer.

Zu guter Letzt:

Seien Sie vorsichtig mit Empfehlungen von anderer Seite (Internetforen etc.), vertrauen Sie Ihrem Reisemediziner, der tagaktuell und länderspezifisch berät, Adressen von deutschsprachigen Ambulanzen oder Kliniken mit gehobenerem Medizinstandard bereit hält, dem ganz einfach Ihre Gesundheit am Herzen liegt.

Nutzen Sie den Service der Reisekranken- bzw. Rückholversicherung!

 

 

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