Dr. med. Ulrike Knödler

Fachärztin für
Allgemeinmedizin,
Hausärztliche Versorgung,
Fachkunde Reisemedizin,
Notfallmedizin
Staatlich zugelassene
Gelbfieberimpfstelle

Akademische Lehrpraxis
der Universität Heidelberg

Oberer Graben 62
97980 Bad Mergentheim
Tel. 07931/949123
Fax 07931/949124
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Montezumas Rache

 

Durchfall – Reise-Gesundheitsproblem Nr.1

 

Klimawechsel, Zeitverschiebung, ungewohntes Essen bedeuten für den Körper und das vegetative Nervensystem Stress. Das schlägt den Betroffenen buchstäblich auf den Magen. Durchfall und Verstopfung sind die Folge. Nach und nach normalisieren sich diese Störungen aber wieder.

Häufig sind Durchfälle jedoch das Resultat einer Infektion mit Bakterien oder Darmparasiten. Die häufigsten Infektionsquellen sind dabei Leitungswasser, verunreinigte, nicht durchgegarte Speisen und Getränke, Eis und Eiswürfel, unter Leitungswasser abgewaschenes ungeschältes Obst, rohes Gemüse.

Als eigentliche Übeltäter werden am häufigsten Colibakterien identifiziert, hier insbesondere enterotoxische E.coli, die eine Inkubationszeit von wenigen Tagen haben und eine Krankheitsdauer von 1-3 Tagen. Wesentlich gefährlicher sind z.B. Typhusbakterien, Hepatitis A- und Noro-Viren und Parasiten wie die Amöben und Lamblien.

Shigellen beispielsweise sind höchst infektiös, die mittlere Infektionsdosis (= Keimzahl, die zur Erkrankung führt) "passt auf einen Fuß der Fliege" (Dr.Tomas Jelinek). Auch Noroviren sind deshalb so gefährlich, weil weniger als 100 Viruspartikel zum Krankheitsausbruch ausreichen. Zudem scheidet der Mensch auch nach seiner Genesung noch bis zu 7 Wochen das Virus aus. Austern gelten als Norovirusreservoir. Bei der Cholera sind es die Muscheln, die "Klärwerke" der Meere (die Muscheln filtern das Wasser frei von Schadstoffen wie Düngemitteln und Abwässern und Keimen).

Auch die tropische Malaria kann Durchfälle verursachen, die dann irrtümlich an eine Magen-Darm-Infektion denken lassen. Deshalb gilt bei Durchfällen mit Fieber und Aufenthalt ab 7 Tagen in Malariagebieten immer der Grundsatz, in erster Linie eine Malaria auszuschließen. Die Malaria kann nämlich binnen kürzester Zeit einen lebensgefährlichen Verlauf nehmen.


Befolgen Sie deshalb…

 

…eine konsequente Nahrungs- und Trinkwasserhygiene: Trinkwasser nur aus original verschlossenen Flaschen, Verzicht auf Eis, Eiswürfel, Salate ! ! ! ! ! !

 

Cook it, boil it, peel it – or forget it !

Koche es, brate es, schäle es – oder vergiss es !

 

Erwischt – was nun ?

 

Gefährlich wird der hohe Verlust an Flüssigkeit und Mineralsalzen, der zum Kreislaufkollaps führt. Sogenannte orale Rehydratationslösungen können hier rasch helfen. Es gibt sie als Fertigpräparate, sog. ORS-Pulver, in Ihrer Apotheke. Sie können sie aber auch selber herstellen:

1 Liter abgekochtes Wasser + 8 TL Zucker (oder Traubenzucker) + 1 gestrichener TL Salz + ¾ TL Backpulver, ggf. + Fruchtsaft zur Geschmacksverbesserung und Kaliumanreicherung

Blutige oder eitrige Durchfälle, fieberhafte Durchfälle und Durchfälle mit Bewusstseinstrübung oder Apathie gehören sofort in die Hand des Arztes, hier sollten Sie nicht erst zur Selbsttherapie greifen.

In allen anderen Fällen helfen meist Kohlepräparate und Präparate zur Regeneration der Darmflora. Auch bei Durchfällen über 3 Tage hinaus sollte letztendlich ein Arzt konsultiert werden, der eine Stuhluntersuchung vornehmen und eine gezielte Therapie einleiten kann.

Die lokalen Ärzte sind mit den dort vorkommenden, auch "exotischen" Krankheiten und deren Keimspektren, sowie mit der Malariadiagnostik und -therapie bestens vertraut.

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