Dr. med. Ulrike Knödler

Fachärztin für
Allgemeinmedizin,
Hausärztliche Versorgung,
Fachkunde Reisemedizin,
Notfallmedizin
Staatlich zugelassene
Gelbfieberimpfstelle

Akademische Lehrpraxis
der Universität Heidelberg

Oberer Graben 62
97980 Bad Mergentheim
Tel. 07931/949123
Fax 07931/949124
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Mückenschutz für Globetrotter

(Dieser Artikel steht auch als kompakter Handzettel HIER zum Download bereit)

 


Abgesehen von der Malaria wird eine ganze Reihe tropenspezifischer Infektionskrankheiten (z.B. Denguefieber, Japanische Enzephalitis, Schlafkrankheit etc.) durch Insekten übertragen. Daher ist ein konsequenter Mückenschutz bei jeder Tropenreise unbedingt erforderlich.
Auf Reisen in Malariagebieten ist es wichtig, sich vor dem Stich der Anophelesmücke zu schützen. Dazu schätzen viele Reisende das Malariarisiko am Vorkommen von Moskitos ab, das sie wiederum nach dem hörbaren Summen von Mücken und der Menge an spürbaren Stichen beurteilen. Im Gegensatz zu vielen einheimischen Mücken fliegen Anopheles-Moskitos jedoch beinahe geräuschlos. Darüberhinaus ruft ihr Stich keine oder nur eine minimale Reaktion hervor, weswegen die Übertragungsgefahr häufig unterschätzt wird.

Schützende Kleidung

ist die wichtigste Vorbeugemaßnahme gegen Mückenstiche. Sie schützt genauso effektiv auch vor der berüchtigten Tse-Tse-Fliege (Überträgerin der ostafrikanischen Schlafkrankheit) und vor Zecken, die sich allesamt nur gering durch sogenannte Repellentien (s.u.) abwehren lassen.
In Gebieten mit hohem Vorkommen von Zecken sollten feste Schuhe, Strümpfe und lange Hosen getragen werden. In Landstrichen mit Vorkommen von Tse-Tse-Fliegen sollte helle Kleidung getragen werden, da jene von dunklen Flächen angelockt werden.
Allgemein ist die Webdichte der Kleidung entscheidend, um Insektenstiche abzuwehren. Leichte, dünne Gewebe können mit Permethrin imprägniert werden (z.B. Nobite Kleidung).

Repellentien

sind Insekten abwehrende Mittel, mit denen unbedeckte Körperteile eingerieben werden. Repellentien, die den Wirkstoff Dieethylmethyl- benzamid (-toluamid) (DEET) enthalten, bieten nach Auftragen auf exponierten Hautstellen 3-6 Stunden Schutz gegen die meisten stechenden Insekten. Dabei gilt: je höher die Konzentration von DEET, desto länger hält der Schutz an.
Für Aufenthalte in den Tropen sollten Konzentrationen von 30-50% eingesetzt werden (z.B. Care Plus, Nobite Haut, Anti Brumm Forte); Deet-haltige Mittel können Kunststoffe anlösen, deshalb Vorsicht beim Tragen von Sonnenbrillen etc.
Die Malaria-übertragenden Anophelesmücken sind überwiegend nachtaktiv. Andere Moskitos wie Aedes-Mücken, die das  Gelbfieber und das Denguefieber übertragen, stechen bevorzugt in den frühen Morgen- und Abendstunden, aber an wolkigen Tagen  und im Schatten durchaus auch tagsüber.

Moskitonetze

In Räumen ohne air condition sollte unter einem mit dem Wirkstoff Permethrin imprägnierten Moskitonetz geschlafen werden. Bei Moskitonetzen mit Standardimprägnierung (erhältlich bei Firma Brettschneider, bei Globetrotter, ggf. bei Tropeninstitut der Missionsärztlichen Klinik Würzburg) hält der Schutz 6-12 Monate, sogar noch nach mehrmaligem Waschen, Fabrikimprägnierungen halten bis zu 5 Jahre. Werden Folgeimprägnierungen in Eigenregie vorgenommen, wird ein erneuter Schutz von 3 Monaten bei Moskitonetzen, von 4 Wochen bei Kleidung erzielt. Die Maschen des Netzes müssen klein genug sein, um die Anophelesmücke am Eindringen zu hindern.
Sogenannte insect coils oder elektrische Apparaturen zum Verdampfen von Substanzen, die Moskitos abschrecken, können nützlich sein, ersetzen das Moskitonetz aber nicht.


Biologie von Stechmücken

Die meisten Mückenarten sind zur Fortpflanzung auf stehendes bzw. nur langsam fließendes Wasser angewiesen. Ausschließlich die Weibchen sind Blutsauger, während sich die Männchen von Pflanzensäften ernähren. Das Weibchen benötigt mindestens eine Blutmahlzeit zur Produktion der Eier, welche nach der Befruchtung direkt auf die Wasseroberfläche gelegt werden. Hieraus schlüpfen bewegliche, im Wasser frei schwimmende Larven. Die Larven verpuppen  sich, anschließend schlüpft der ausgewachsene Moskito aus der Puppe. Der Aufenthalt an Seen oder Flussauen geht daher meist mit einer hohen Stechmückendichte einher.
Die Stechmücken (insbesondere Aedes) brüten aber auch in menschlichen Siedlungen: in Regentonnen, in Regenrinnen, in im Freien liegenden Autoreifen, in nahezu jeder erdenklichen Vertiefung, in der sich Wasser ansammeln kann.

Stechmückenarten
und die von ihnen übertragenen Erkrankungen

Aedes/Culex

Vorkommen:
Auf allen Kontinenten;  in Europa zunehmend auf dem Vormarsch (durch Einschleppung)
Übertragene Erkrankungen:
Dengue-Fieber, Gelbfieber, Chikungunya, Lymphatische Filariose, West-Nil-Fieber, Rift-Valley-Fieber, Ross-River-Fieber, Western-Equine-Enzephalitis, Japanische Enzephalitis

Aedes-Stechmücken sind an ihrer schwarzen Farbe und den auffälligen weißen Sprenkeln an den Beinen gut zu erkennen.
Dengue-Fieber (breakbone fever) ist gekennzeichnet durch starke Kopfschmerzen, Fieber, starke Muskel- und Gelenkschmerzen, roten Hautausschlag mit typischem Abblassen der Haut auf Druck sowie eine lange Phase der Erschöpfung. Die Neuinfektion mit einem anderen der 4 bekannten Stämme kann zu schweren inneren Blutungen mit tödlichem Verlauf führen.
Chikungunya und Ross-River-Fieber machen ebenfalls lang anhaltende Gelenkschmerzen und grippeartige Symptome.

 

Anopheles (siehe Abb.)

Vorkommen:
Auf allen Kontinenten
Übertragene Erkrankungen:
Malaria, Lymphatische Filariose, O´nyong-nyong-Fieber

Anopheles-Stechmücken sind an ihrer gestreckten Körperform und ihrer charakteristischen Körperhaltung während der Blutmahlzeit (Kopf tief) gut zu erkennen. Der Stich ist nicht schmerzhaft und hinterlässt keinen oder nur einen geringen Juckreiz.
Die Erkrankung an Malaria geht leider mit ganz unspezifischen Symptomen einher. Aufenthalt in einem Malariagebiet + schweres Krankheitsgefühl ohne Hinweis auf Erkältung oder Durchfallerkrankung + Fieber frühestens ab dem 7.Tag nach Einreise in das Malariagebiet  ist so lange malariaverdächtig, bis das Gegenteil bewiesen ist. Ist binnen 12 Stunden nach Erkrankungsbeginn kein Arzt erreichbar, muss mit der Notfalltherapie begonnen werden.


Mit freundlicher Genehmigung des BCRT

 

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