Dr. med. Ulrike Knödler

Fachärztin für
Allgemeinmedizin,
Hausärztliche Versorgung,
Fachkunde Reisemedizin,
Notfallmedizin
Staatlich zugelassene
Gelbfieberimpfstelle

Akademische Lehrpraxis
der Universität Heidelberg

Oberer Graben 62
97980 Bad Mergentheim
Tel. 07931/949123
Fax 07931/949124
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Ugandische Impressionen

 Der Weg ist das Ziel -

Anreise

In Kigali, der Hauptstadt Ruandas, gelandet, kam ich in einem Hostel unter. 2 Stunden später machte ich mich auf und besichtigte das Genocide Memorial Center, das die bedrückenden Erinnerungen an den barbarischen Völkermord an den Tutsi 1994 wachhält. Das kleine Hostel hatte wohl einen klangvollen Namen, nichtsdestotrotz fand ich nur mit einiger Not ein Motorradtaxi, das den Weg durch die Millionenstadt auch wieder nach Hause kannte. Nach einer schwülen Nacht unter einem löchrigen Moskitonetz nahm ich am nächsten Morgen vom Busbahnhof ab Kurs auf Musanze. In halsbrecherischem Tempo jagte der vollgestopfte Bus durch atemberaubende Hügellandschaften. Von Musanze (ehemals Ruhengeri) ging es mit einem klapprigen Kleinbus eng gedrängt über schlecht befestigte Pisten an die ugandische Grenze. Ein amerikanisches Pärchen machte mir ein Plätzchen im Taxi frei. So gelangte ich unspektakulär nach Kisoro und mit dem boda-boda (ugandisches Motorradtaxi) weiter zu meinem Ziel, dem St. Francis-Hospital in Mutolere.

Mutolere Hospital

Das private Nonprofit-Krankenhaus war 1957 von den Franziskanerschwestern von Breda (Holland) gegründet und 1994 der Diözese von Kabale unterstellt worden. Eine Gruppe Holländer unterstützen das Hospital maßgeblich. Der Kontakt zur allgäuischen Hilfsorganisation humedica, die meine Einsätze koordiniert, entstand 2008 während eines Hilfsprojekts zur Versorgung kongolesischer Flüchtlinge. Humedica sichert hier die basismedizinische Versorgung. Auch US-amerikanische Ärze und Studenten finden sich zur Mitarbeit ein.

Ich wohnte wie schon 2013 bei Waltraud, eine der liebenswertesten Menschen, die ich je kennenlernen durfte, gleich außerhalb der Krankenhausmauern. Sie kümmert sich um das Waisenheim, verwaltet und verteilt die Spendengelder der Organisation Miteinander-für-Uganda, näht OP-Wäsche fürs Hospital und besitzt das feine Coffee-Pot-Café in Kisoro. Seit über 40 Jahren lebt und wirkt sie in dieser abgelegenen Region. Abgeschieden ist diese aber keineswegs. Die 3 Virunga-Vulkankegel (Mount Sabyinyo, 3645m, Mount Muhabura, 4127m, Mount Gahinga, 3474m) im Dreiländereck Ruanda-Uganda-Kongo ragen imposant in den Himmel. Die Haupttouristenziele sind die Besteigung derselben und das Gorillatrecking im nahegelegenen Mgahinga Nationalpark.

Es hat sich seit meinem letzten Aufenthalt dank großer Spendenbereitschaft wieder was getan im Krankenhauskomplex. Fast alle Wege sind jetzt geteert. Eine nagelneue 3-stöckige Unterkunft für die Pflegeschüler steht weiß getüncht. Für die Angehörigen der Patienten gibt es Koch- und Waschstellen - es braucht keine offenen Feuer und Waschzuber mehr. Ein Gemüsegartenprojekt wurde implementiert, um das Wissen rund um die gesunde Ernährung zu fördern.

Die Patientensäle sind dürftig ausgestattet, in der Inneren Abteilung beherbergt jeder Raum 13 Patienten, in der chirurgischen Abteilung zwängen sich noch einige Patienten mehr zusammen. Es gibt ein altes, aber funktionierendes Röntgengerät, ein operating theatre, ein ausgedientes Sonogerät, ein "Taschen-" Sono, ein EKG-Gerät, welches das Zeitliche bereits gesegnet hat, ein laut schnarrendes Sauerstoffgerät, ein Beatmungsgerät für die Kinderstation, gestiftet von Waltrauds Tochter, selbst Kinderärztin, reichlich Öllampen wegen der täglichen, z.T. stundenlangen Stromausfälle, ein Labor für die wichtigsten Blut-, Urin-, Stuhl- und Abstrichuntersuchungen und gute Medikamente zur Behandlung auch der komplizierten Malaria, von HIV und der Tuberkulose. Die Medikamentenausgabe meldet die Medikamente, die nicht mehr auf Lager sind und dann eben nicht länger zur Verfügung stehen.

"meine" innere Abteilung

Das Herzstück des Hospitals sind die Ambulanz mit verschiedenen Health Care-Programmen (langfristige HIV-Betreuung, Kontrollsystem zur Tuberkulosetherapieüberwachung, Müttergesundheit, Impfprogramme, psychosoziale Beratung) und die unersetzlichen wunderbaren einheimischen Ärzte, Schwestern und Pflegeschüler.

Ein mobiles medizinisches Team fährt regelmäßig in die abgelegenen Siedlungen der Batwa, eines Pygmäenvolks, das mit dem Ziel der Schaffung von Nationalparks aus den Bergregenwäldern zwangsumgesiedelt wurde und ihrer Traditionen beraubt und ausgegrenzt lebt. Die Arbeitslosigkeit ist hoch, die Armut grenzenlos. 2013 durfte ich ärztlicher Teil des Teams sein.

Afrikanischer Rhythmus

Unter der zentralafrikanischen Sonne gibt der Wiegeschritt den Takt vor. Es wird gelacht, gewitzelt, gewunken, gebetet. Der Arbeitstag war lang - aber Stress? Hierzulande gibt es kaum Bluthochdruck, wenig Diabetes - die einheimische Kost ist kalorienarm: Kochbananen (matoke), Yamswurzel, schwarze und grüne Bohnen, Karotten, Blumenkohl,Tomaten, manchmal Eintopf von Rind oder Ziege, Hühnchen. Eine begehrte süße Köstlichkeit, noch dazu billig, ist das Zuckerrohr, aus dem der Zuckersaft herausgekaut wird und die fasrigen Spelzen dann ausgespuckt werden. Ansonsten ist die Region gesegnet mit Avocadobäumen, Tamarillos, Passionsfrüchten, Bananen, Eukalyptuswäldern, Yamsfeldern, Teeplantagen, Reispflanzen auf Seen-nahen bewässerten Plantagen.

Mein Tagewerk

Vorherrschend sind hier die 3 großen Krankheiten Malaria, Tuberkulose und HIV, sowie Atemwegsinfektionen und Infektionskrankheiten wie Dysenterie, Wurmerkrankungen, Typhus, Hepatitiden (sog. neglected tropical diseases) - resultierend aus Armut und Mangelernährung, einfachen, oft feuchten Wohnverhältnissen, unsicherem Zugang zu Trinkwasser, einer hohen HIV-Prävalenz-Rate und einem Leben in einem Malariahochendemiegebiet.

Brucellose ist eine hier häufig vorkommende hochfieberhafte bakterielle Erkrankung. Die Bakterien werden durch den Genuss frischer unpasteurisierter Milch direkt von den eigenen Kühen und Ziegen übertragen.

Morgens wanderte ich - die erste Etappe auf staubtrockenem Weg mit noch blütenweißen hochgezogenen Hosenbeinen - alle paar Meter vom Torwächter, von den Arbeitern, von den Wäscherinnen, von den zum Unterricht strebenden Schülern mit "good morning, doctor" begrüßt, der warmen Morgensonne entgegen, die die Hügel, hinter der sie majestätisch emporstieg, in blassen Bleistiftstrichen zeichnete. Ohne Eile. Ohne lärmenden Verkehr. Im Gottvertrauen, dass meine Hände und meine Sinne auch heute wieder den rechten Weg finden, die individuellen Nöte zu lindern. Mein Morgengruß an meine Schwestern, Pflegeschüler, Patienten und Angehörigen war: waraye umesute - und ihre freundliche Antwort: ndaho wakoze. Das ist Rufumbira, eine Bantu-ethnische Sprache, die hier herum gesprochen wird.

Die Patienten kommen oft von weit her, auch aus Ruanda oder dem Kongo zur Behandlung herüber oder gehören zu den angesiedelten Flüchtlingen. Die Angehörigen besorgen die Körperpflege ihres Kranken, kochen deren Mahlzeiten, kümmern sich um deren Wäsche, sorgen durch Gebete für sein spirituelles Wohl und spenden ihm Trost. Sie rollen abends ihre Matrazen auf der Wiesenfläche vor der Inneren Station aus (oder bei Regen in den überdachten Gängen) und am Morgen wieder ein. Einträchtig kauern die Angehörigen morgens, wenn ich komme, auf den Wandvorsprüngen, löffeln ihr Porridge, schwatzen, waschen und stillen ihre Säuglinge, bunte Wäsche flattert auf den kreuz und quer gespannten Wäscheleinen zwischen Medical und Paediatric Ward. Ein fast idyllisch anmutendes Bild. Später werden sie ihrem Kranken den Rücken stützen, die Beine massieren, die Hand halten...

Die Idylle trügt. Nackte Tatsache ist, dass die Bevölkerung selbst für Basisgesundheitsleistungen in die eigene Tasche greifen muss, ungeachtet ihres Einkommens. Eine Schande. Die Armen opfern dafür ggf. ihr ganzes Hab und Gut oder suchen stattdessen Dorfheiler auf, die alle erdenklichen Krankheiten mit obskuren ausleitenden Körperschnitten und/oder mit Kräutermedizin behandeln - mit schrecklichen Folgen.

Uganda gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Im Human Development Index steht es an 154. Stelle von 177 Ländern. Die Mütter- und Kindersterblichkeit ist immer noch sehr hoch - neben der Armutsbekämpfung eine der größten weltweiten Herausforderungen für die Vereinten Nationen.

Kisoro`s Supermarkt

Jeden Montag und Donnerstag ist Markt in Kisoro

Aufklärungsplakat zur Trinkwasserhygiene

 

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